Mramorak Titel-Collage

Diese Seite gibt es jetzt auch in serbischer Sprache  
Klick auf Bilder zeigt Großansicht
   
Mramorak 2005

Mramorak: Ein Dorf in Serbien. 3500 Einwohner, keine Touristen. 3 Kneipen, 2 Kirchen, 1 Schule.

Maulbeerbäume, Wassermelonen, Mais.
Sattes Grün, fruchtbare Felder. Feuchte Luft.
Streuende Katzen, wildernde Hunde.

Bahngleise ins Nirgendwo.

Die Hauptstraße ist asphaltiert. Auf ihr verkehrt alle zwei Stunden ein Bus aus und nach dem 20 km entfernten Pančevo. Dort Umsteigemöglichkeit nach Belgrad.

In Mramorak gibt es mehr Häuser als Haushalte.
Es sind meist einfache Einfamilienhäuser. Manche halbfertig, nicht wenige verlassen und verfallen.

In den bewohnten leben Serben, Rumänen und einige Flüchtlinge aus Kroatien.

So ist Mramorak heute.

 
Mramorak um 1940


Mramorak war lange ein überwiegend deutsches Dorf.

Bereits 1820 trafen hier die ersten Auswanderer aus Hessen ein. Die Gegend gehörte damals zum Königreich Ungarn, ab 1856 Österreich-Ungarn. Die Neuankömmlinge waren von Österreich gezielt angeworben worden, um Österreich-Ungarn gegen die Türken zu verteidigen. Die ersten Siedler fanden leeres, unwirtliches Land vor, das sie in mehreren Generationen fruchtbar machten. Sie bauten Häuser, Höfe, Brunnen, Schule und Kirche.

Obwohl sie etwa sechs Generationen lang friedlich mit Serben und Rumänen zusammenlebten, wurden sie nach dem 2. Weltkrieg von Titos Partisanen aus ihrer Heimat vertrieben.

Dieses Schicksal teilt auch meine Mutter, 1934 als Elisabeth Dapper in Mramorak geboren. Mramorak gehört demnach zu meinen Wurzeln und daher auch auf meine Internetseite.

 

 
Familie Dapper um  1940

Vertreibungsschicksale gäbe es viele zu erzählen.
Hier die Stationen meiner Mutter:

Am 28. April 1945 wird sie mit ihrer Mutter und den drei jüngeren Brüdern in Mramorak interniert. Der Vater war bereits 3 Jahre zuvor gestorben.

Im Oktober 1945: werden sie ins Lager Rudolfsgnad (Knićanin) gebracht.

Dort sterben am 13. Dezember 1946 ihr Bruder Franz im Alter von 8 Jahren und am 6. Februar 1948 ihre Mutter mit 38 Jahren an Hunger und Erschöpfung.

Daraufhin werden die 3 übrigen Geschwister in eine Baracke nach Karlsdorf gebracht, wo sie mit weiteren 500 deutschen Waisenkindern krank, verlaust und verdreckt leben müssen. Im benachbarten rumänischen Dorf Alibunar gehen sie betteln.

Wenige Wochen später werden alle nach Žitište gebracht und im Juni 1948 über Belgrad nach Kozjak bei Beli Manastir (Nähe Osijek) in der Baranja. Dort muss meine Mutter - jetzt von ihren Geschwistern getrennt - u. a. bei der Hopfenernte helfen. Serbische Ärzte untersuchen die Kinder. Wegen eines Augenleidens wird sie im November 1948 in Belgrad operiert.

Wieder zurück in der Baranja, wird sie trotz Augen-OP in einer Fabrik zum Schälen von Zwiebeln eingesetzt.

In der Nähe hat Tito, der Anführer der Partisanen, die sie vertrieben haben, sein Jagdrevier. Eines Tages lädt er 60 Kinder aus dem Waisenhaus, darunter meine Mutter, zu sich ein. Er fragt sie, wo denn ihre Eltern wären. Die Kinder sagen: „Das müssen Sie doch wissen ...” Darauf Tito: „Dann werde ich mich jetzt um euch kümmern.”

1949 besucht meine Mutter 2 Jahre lang die Landwirt-
schaftsschule in Darda. Danach arbeitet sie für 9 Monate in einer Hühnerfarm im Bilije. Von dort nimmt sie Kontakt zu ihrer Tante die Deutschland auf, die sie nach Deutschland holen möchte.

Doch meine Mutter muss erst ihre Geschwister wiederfinden. Der Aufenthaltsort ihres Brudes Peter ist ihr bekannt, ihren Bruder Adam findet sie mit Hilfe des Roten Kreuzes in Belgrad. Adam erkennt seine Schwester zunächst nicht wieder. So dauert es einige Zeit, bis er wieder Vertrauen fasst.

Im März 1953 fahren sie schließlich vom Hauptbahnhof Belgrad nach Deutschland. In einem Waisenhaus in Eglofstal trifft sie am 15. Oktober 1953 den jungen Theologiestudenten Franz-Gerhard von Aichberger.

Seit einigen Jahren sind wieder heimatvertriebene Deutsche zu Besuch in Mramorak. Sie werden von den heute dort lebenden Serben mit offenen Armen und Herzen empfangen. Viele Freundschaften sind entstanden.

Nachdem ich mit meiner Familien bereits in den Jahren 1975 und 1976 Mramorak bereist hatte, schloss ich mich im Jahr 2005 einer vom Mramoraker Heimatortsverband organisierten Reise an.

 

Gruppenbild in Originalauflösung (2,5 MB)

Für Interessierte habe ich meine fotografischen Eindrücke in Fotostrecken aufgeteilt:

Mramorak und Umgebung

Mramorak-Reise 2005 (Personen, Ausflüge)

Belgrad und Umgebung


Bei Bildern wenig aussagekräftiger Bildunterschrift bitte ich alle Wissenden um entsprechende Hinweise (z. B. Ort und Bedeutung abgebildeter Gebäude und Straßen). Dabei bitte die Bildnummer hinter der Raute ("#0000") angeben.

Hinweise und Anregungen bitte an:



 

© 2005 Michael von Aichberger - Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur mit schriftlicher Genehmigung.