Leidenschaft - Entschlossenheit - Atomkraft - Kritische Anmerkungen zur E.on-Kampagne
Michael von Aichberger - nein, ich bin nicht on.   Werbung nervt.

Nicht immer, aber besonders dann, wenn sie
verlogen ist. Das kennt man hauptsächlich aus
der Tabakwerbung: „The more you know” lesen
wir da und sehen einen zufrieden dreinblickenden rauchenden Menschen. Suggeriert wird:
„Kluge Leute rauchen”. Ehrlicher wäre es gewesen,
einen Lungenkrebskranken im Endstadium seiner Krankheit zu zeigen und den Claim zu Ende zu führen: „The more you know, the less you smoke”.

Aber ehrliche Werbung ist ein Oxymoron.
Sowas wie „warmer Schnee”.

Jetzt startet also E.on, Deutschlands Atomstrom-
erzeuger Nr. 1 zu einem neuen Werbefeldzug.
E.on ist in der dummen Lage, nichts Besonderes anbieten zu können. E.on erzeugt und verkauft
Strom. Strom aber ist Strom, jedenfalls aus Sicht
des Staubsaugers. Strom hat keine Farbe. Er riecht
nicht. Er schmeckt nicht. Das tun BigMacs und
Whopper zwar auch nicht, dennoch sind die
McDonald's und Burger Kings besser dran als E.on:
Sie können wenigstens darüber streiten, wessen Weichbrötchen mehr und wessen weniger nicht-schmecken.

Strom aber kann höchstens billiger sein oder
besonders umweltschonend und ressourcensparend erzeugt werden.

Da aber der Strom von E.on weder billig noch umweltfreundlich ist, hat E.on ein Problem.

     
Der erste Versuch, dieses Problem zu lösen, war eine Kampagne mit Arnold Schwarzenegger und der Aufforderung „Mix it, Baby!”. Man dachte damals, man fände genügend Dumme, die glauben, es wäre von Vorteil, sich den Mix aus diversen Stromerzeugungsarten selber zusammenzustellen. Ein bisschen Kohle, eine Prise Atom, ein bisschen Wasser für's Gewissen ...

Als ich in SPIEGEL ONLINE las, dass diese Kampagne 22,5 Millionen Euro gekostet, am Ende aber nur 1.100 neue Kunden gebracht hatte, verzog sich mein Mund zu einem breiten Grinsen: 20.450 Euro pro Neukunde,
diese Werbekampagne wird sich erst dann bezahlt gemacht haben, wenn jeder dieser 1.100 Neukunden seinen (Atom-)Strom etwa 1.300 Jahre lang bei E.on bezieht. Das passt eigentlich gut, denn der Atommüll, den E.on produziert, hat ähnlich lange Laufzeiten. Grins.


„Mit Leidenschaft seine Ziele verfolgen, Entschlossenheit zeigen, Grenzen überschreiten. Sind Sie on?"

Ok, jetzt versucht es E.on also mit einem anderen Trick: E.on weiss, was Männer und Frauen wünschen:
Einmal berühmt sein. Einmal überlebensgroß von einer Plakatwand glotzen. Und E.on macht's möglich.

Wer den Stromkonzern auf die
Idee gebracht hat, sich zur
ethisch-moralischen Instanz aufzuschwingen, bleibt dahin-
gestellt, jedenfalls sucht E.on
mit der Frage „Sind Sie on?” engagierte und leidenschaftliche Menschen. Gefunden haben sie
einige engagierte, leidenschaft-liche und - naive Menschen. Nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber” dürfen sich die Auser-
Plakat E.on - Ich bin on.
wählten auf einer eigens einge-
richteten Website produzieren. Wir erfahren dort: Einer kümmert sich um AIDS-Kranke, ein anderer um vietnamesische Waisen-
kinder, wieder ein anderer kom-poniert Lieder für krebskranke Kinder. Eine andere veröffent-
licht in Argentinien deutsche Kochrezepte ...
Alles mehr oder weniger ehren-
werte Dinge.

Und dazu heißt es: „Was immer sie tun, sie tun es 'mit neuer Energie'”. Neue Energie. Neue Energie?
Was bitte ist „neue Energie” aus der Sicht des Stromerzeugers E.on?

E.ons „neue Energie” ist Energie aus Atomkraftwerken in Deutschland und in Osteuropa.
Dazu Energie aus fossilen Energieträgern. Diese Energien sind weder neu noch gehören sie zu den sogenannten „erneuerbaren” Energiequellen. Und selbst die Alibi-Energiequelle Wasserkraft („Aquapower”) stammt aus Kraftwerken aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Vielleicht haben die vereinnahmten Menschen das mit der neuen Energie anders verstanden! Mit ihren hehren Worten aber vermischen sie Werte mit Werbung, Werbung mit Wahrheit, Wertung mit Wirkung. „Mix it, Baby!” Solange, bis keiner mehr auf den Gedanken kommt zu fragen: „Und was ist mit dem Strom?”

   

Yello gegen E.on

Auch Yello liefert dreckigen Strom,
also Strom aus Kernenergie und Kohle.

Auch Yello hat zum Thema Strom nichts zu sagen
und versucht es mit albernem Blabla.

Gelb? Das Plakat ist gelb. Na und?

Gut? Nicht für die Umwelt.

Günstig? Nicht mehr.

 

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